Lebensphilosophie

Warum Gute Vorsätze Unsinn sind

Schlechte Gewohnheiten brauchen gute Vorsätze

Es ist mal wieder so weit, die unwiderruflich letzten Tage eines Jahres sind angebrochen. Die Zeit vergeht und ein Jahreswechsel verdeutlicht uns das besonders eindringlich. Überdies scheint es ebenso unvermeidlich zu sein, dass wir nicht zufrieden damit sind, wie wir diese Zeit verbracht haben.

Es ist der 30. Dezember und huch, wir stellen plötzlich fest, dass wir zu dick sind, zu wenig Sport treiben, zu viel trinken, rauchen, arbeiten, womit auch immer du dein Gewissen am liebsten belastest.

Natürlich wissen wir das die ganze Zeit, doch fehlt der rechte Antrieb, der Unsitte unverzüglich zu Leibe zu rücken. Daher braucht es eine Zäsur, einen genau definierten Punkt, ab dem wir dann alles anders machen werden. Der Jahreswechsel ist der Klassiker, gefolgt vom Geburtstag, welcher auch nur den Ablauf von 365 Tagen  markiert.

Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert

Wer von uns ist nicht schon voller Elan in ein neues Jahr oder in sein neues Lebensjahr gestartet? Bepackt mit einer ganzen Fülle von Dingen, die wir anders machen wollten? Wahrscheinlich hat es jedoch nie wirklich funktioniert. Allzu leicht gerät die gute Absicht zum Ersatz für tatsächliches Handeln und wird alle Jahre wieder erneuert. Deswegen halte ich gute Vorsätze schlicht und einfach für Blödsinn.

Ich erspare euch die populärwissenschaftlichen Erklärungen und komme gleich zum Kern der Sache: Zu viel essen, zu viel arbeiten zu viel trinken, zu viel rauchen, ______________ . (setze hier dein bevorzugtes Laster ein) All das sind Gewohnheiten, Verhaltensweisen, die sich irgendwann in unser Leben eingeschlichen haben und dann so selbstverständlich geworden sind, dass wir sie unbewusst ausführen.

Der allerbeste Vorsatz hat nicht den Hauch einer Chance gegen die Macht der Gewohnheit, die wir zuweilen auch als unseren inneren Schweinehund bezeichnen. Das Problem ist bekannt, es hat einen Namen.

Bewusstsein statt Autopilot

Die Versuchung

Die Lösung ist verblüffend einfach, setzt jedoch eine neue Gewohnheit voraus: Lerne bewußt zu handeln. 

Die meisten Tätigkeiten in unserem Dasein lasten unseren Geist nur zu einem derart geringen Teil aus, dass wir ihn locker noch mit etwas anderem beschäftigen können. Daher ist Multitasking so beliebt! Sogar während ich das hier schreibe, fällt mir blitzartig ein, dass ich schon lange nicht mehr nach dem Bitcoin Kurs gesehen habe. Das iPhone liegt neben dem Computer, keine große Sache schnell einen Blick in mein Portfolio zu werfen. Ich tue es nicht, weil ich die Falle kenne.

Lerne auch du, diese Fallen in deinem Leben zu erkennen. Mache den Griff zur Zigarette, oder zur Fernbedienung zu einer bewussten Handlung. Sage Dir „ich will jetzt eine rauchen“, dann greife zur Schachtel. Fühle den glatten Karton an deinen Fingerspitzen. Streiche leicht darüber und sage dir: „ich öffne jetzt die Schachtel“. Nimm eine Zigarette heraus und betrachte sie aufmerksam. Rieche daran, riecht sie gut? Vielleicht ist jetzt der Moment gekommen, in dem dir einfällt, dass du eigentlich nicht mehr rauchen wolltest. Möglicherweise erst, wenn der erste Zug beißenden Rauches in deine Lunge zieht und leichter Schwindel wegen Sauerstoffmangels im Gehirn einsetzt. Für manche erst, wenn sie keine vier Stockwerke mehr ohne Aufzug bewältigen. Manche nie.

Auch wenn du nie geraucht hast, jede Angewohnheit die du ablegen willst lässt sich in solche kleinen Einzelschritte zerlegen. Die Ausführung jedes dieser Schritte erfordert einen eigenen Entschluss. Anstatt die Handlung einmal im Ganzen unbewusst ablaufen zu lassen, gibst du dir mehrfach die Chance, inne zu halten und dich anders zu entscheiden. Du kommst der Einhaltung deines Vorsatzes näher.

Politik der kleinen Schritte

Ich habe eine Zeit lang an Sitzungen der Anonymen Alkoholiker teilgenommen. Diese Leute sind echte Experten im Überwinden von Gewohnheiten und das erste, was sie dir sagen werden ist: Denke nicht daran, dass du nie wieder in deinem Leben trinken willst. Sage dir nur jeden Morgen, dass du heute nicht trinken willst. Jeden Tag aufs Neue. Jede Minute, wenn es darum geht dich zu entscheiden.

Es ist für einen Menschen unmöglich einen Baumstamm allein wegzutragen, in kleine Scheiben zersägt, Stück für Stück gelingt es.

Das gilt für jede beabsichtigte Verhaltensänderung. Jeder hehre Vorsatz ist so ein Baumstamm und wird daher meistens nach wenigen Versuchen liegen gelassen.

Zerlege die Ausführung deines Vorsatzes in kleine praktikable Einzelschritte. So behältst du es im Blick und kannst jeden Tag daran arbeiten. So wie Zähneputzen.

Motivation ist alles

Ich habe übrigens das Trinken nicht aufgegeben. Die meisten Alkoholkranken können nach dem ersten oder zweiten Glas nicht mehr aufhören, weil schon eine kleine Dosis Alkohol ihre bewusste Entscheidungsfähigkeit abschaltet. Dementgegen entscheide ich mich auch nach einer Flasche Wein noch sehr bewusst dafür, besser keine zweite zu bestellen. Aus diesem Grund hat Alkoholkonsum bislang weder mein Sozialleben, noch meine Gesundheit zerstört und wird es auch nicht. Mir schmeckt es gut und ich habe keinen Grund darauf zu verzichten.

Dein Verhalten zu ändern wird dir nur dann gelingen, wenn du einen wirklich guten Grund dafür hast es zu tun. Du solltest dich dadurch einfach besser fühlen, oder sonst einen Vorteil erreichen. Ohne einen gewissen Leidensdruck, oder ein starkes, positives Wohlgefühl wird es einfach nichts.

Zum Bewusstsein und den kleinen Schritten muss sich die Überzeugung gesellen, dass die Verhaltensänderung dringend notwendig, oder zumindest vorteilhaft ist. Mit dem Rauchen aufzuhören war eine ganz klare Sache, über Alkohol haben wir eben gesprochen, doch Russisch habe ich bis heute nicht gelernt. Ich habe weder vor, dort zu leben, noch eine russische Freundin. Es fehlt an der Motivation.

Eine neue Fertigkeit zu erlernen, steigert das Wohlgefühl nicht direkt, die Belohnung rückt in eine hypothetische Zukunft. Und diese tritt möglicherweise niemals ein. So ging es mir mit dem Schulfach Mathematik, ich komme bis heute sehr gut mit den vier Grundrechenarten zurecht.

Je subtiler die Änderung des Befindens, desto schwieriger das Verfolgen des Zieles. Insgesamt halte ich es aus einer Anzahl von Gründen sogar für schädlich sich Ziele zu setzen.

Lebe so, dass du keine Vorsätze brauchst

Die Weisheit der drei Affen

Das ist der beste aller guten Vorsätze. Gute Gewohnheiten statt Vorsätze, kleine Aktionen statt großer Absicht. Hier ist meine ganz persönliche Liste:

  1. Mindestens sieben Stunden schlafen
  2. Zwei Liter Wasser oder Tee trinken
  3. Nicht mehr als zwei Gläser Wein, oder zwei Flaschen Bier pro Tag trinken.
  4. Morgens 30 Minuten Yoga üben und täglich 10.000 Schritte gehen.
  5. Bewusst ernähren und möglichst auf das Abendessen verzichten.
  6. Jeden Tag mit fünf Menschen kommunizieren.
  7. Zwei Stunden lesen. Vorzugsweise Fachliteratur
  8. Diesen Blog schreiben
  9. Nichts unnötiges kaufen oder besitzen.
  10. Abends Tagesbilanz anhand dieser Liste ziehen und niederschreiben.

Leider klappt das nicht an jedem Tag meines Lebens. Es ist schwer 10.000 Schritte zu gehen, wenn du im Flugzeug sitzt und für die Silvesterparty befürchte ich mehr als zwei Gläser Wein.

Ich werde jedoch den ersten Tag des neuen Jahres ganz sicher nicht übermüdet und mit dickem Kopf verbringen. Dazu ist jeder Tag zu schade, unabhängig vom Kalenderdatum.

Wenn  ich an manchen Tage nur die Hälfte meines Pensums schaffe, ist das immer noch sehr gut.

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