Lebenswerkzeuge

Tschüs, du altes Auto!

Mercedes SL500 R129

Wieder mal liege ich voll im Trend, ich besitze nämlich kein Auto mehr! Nichtmal mehr eines mit Elektroantrieb.

Vor etwas über einer Woche rollte mein schöner alter Mercedes SL 500 vom Hof. Er war der letzte in einer Reihe feiner Autos, die ich mir im Laufe der Jahre gegönnt habe.

Wir hatten eine schöne Zeit zusammen, doch irgendwann passte das Auto in seiner Garage auf Mallorca nicht mehr zu meinem Lebensentwurf. Zeit, sich davon zu trennen. 

Für die Gretas der Welt, würde ich ja nur zu gerne weiter zwei Tonnen Stahl und Aluminium mithilfe eines halben Putzeimers Hubraum mit überhöhter Geschwindigkeit bewegen. Das Problem ist nur: ich habe keine Gelegenheit mehr dazu. Ein Punkt für Greta und ihre Weltrettung.

SL 500 in Andalusien
An einem Wintermorgen in Andalusien

Große Freiheit mit acht Zylindern

Vor fast sechs Jahren sah das ganz anders aus. Es war Anfang Dezember, ich war gerade mal wieder frisch gebackener Single und überlegte, was ich denn nun mit meiner frisch gewonnenen Freiheit anfangen könnte.

So kam ich auf die Idee, mir einen klassischen Grand Turismo zu kaufen und damit einen langen Roadtrip zu unternehmen. Auf einsamen winterliche Landstraßen in Spanien, bis nach Zürich. Dann über das Piemont und die Côte d’Azur zurück nach Mallorca.

Reisepläne
Hurra, heute kaufe ich mir ein Auto!

Mein Wunschauto stand nämlich in der Nähe von Cadiz. Praktisch aus erster Hand, in gutem Originalzustand und mit relativ wenig Kilometern auf der Uhr. Ein echtes Schnäppchen.

Ein paar Sachen einpacken, ein Bündelchen 500 Euro Scheine von der Bank holen und schon ging die Reise über Madrid nach Jerez de la Frontera.

Der Verkäufer holte mich vom Flughafen ab und wir wurden uns schnell einig. Dieser SL war wirklich fast wie neu und startklar für meine Reise.

Am nächsten Morgen begann meine Fahrt über verlassene Landstraßen, durch ein sehr unberührtes, ursprüngliches Spanien.

Roadmovie in Spanien

Straße, Kreuzung, Schloßruine. Irgendwo in Spanien

Spanien verfügte schon früh über ein dichtes Netz von Fernstraßen, da fast der gesamte Güterverkehr darüber lief.

In den 1990er Jahren wurde dann ein ebenso dichtes Autobahnnetz gebaut. Seitdem verfällt die Infrastruktur entlang der Nationalstraßen. Das war die Kulisse für mein europäisches Roadmovie.

Die große Sommerreise

Passt einfach zusammen: Schlosshotel und SL

In einer Stadt mit engen Straßen und noch engeren Parkhäusern bereitet ein Auto nicht viel Freude.

Ein schönes, altes Auto noch viel weniger, denn Spanier haben nicht allzu viel Sinn dafür. Für sie ist es völlig unverständlich, dass sich jemand über einen Kratzer im Lack ärgert. Entsprechend entspannt gehen sie mit ihren – und leider auch fremden – Fahrzeugen um.

Fast nach jedem Ausflug hatte mein SL eine neue Beule, oder Kratzer und war etwas weniger schön. Im Sommer 2016 ließ ich ihn per Transporter nach Berlin schaffen. Zurück ging es mit deutschen Kennzeichen und diesmal ohne Hardtop. 

Die Route führte von Berlin über Polen und Tschechien nach Bayern und von dort aus an die Costa Brava.

Alles ändert sich

SL500 R129
Nicht mehr ganz so schön

Mich zieht es immer weiter in die Ferne, doch mit ganz wenig Ballast. Ein Auto passt einfach nicht ins Handgepäck.

Wenn ich denn mal wieder in Palma bin, bewegt mich meine Vespa viel müheloser durch die Stadt. Der SL steht meist nur noch in der Garage und dafür ist er eigentlich viel zu schade. 

Verkauft!

Da fährt er hin…

Es dauerte noch etwas, bis ich dann tatsächlich eine Anzeige ins Internet gesetzt habe. Erst die näher rückende Aussicht auf eine weiteren Anstieg von Bitcoin und Altcoins  brachte mich dazu.

Das Auto ging gleich an den ersten Interessenten weg, zu meckern gab es außer den Schönheitsfehlern nicht viel. Und auch nach dem obligatorischen Feilschen gab es doch noch mehr, als ich selbst vor über 5 Jahren bezahlt hatte. 

Ob und wann ich mir jemals wieder ein eigenes Auto zulege hängt davon ab, ob ich mal an einem Ort seßhaft werde, wo ich eines brauche. In einer Stadt gehe ich tatsächlich lieber zu Fuß.

avatar

Benedikt Lechner

Senior Nomad

Die Fähigkeit Chancen zu erkennen und zu ergreifen hat mir zu einem unabhängigen Lebensstil und großer materieller Freiheit verholfen. Lass dich mitnehmen auf eine spannende Reise.

1 Kommentar Neues Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.