Lebensorte

Ballonfahren über der Ebene von Bagan

ballons über bagan

Über tausendjährige Tempel hinweg lautlos in den Sonnenaufgang schweben…

Ich bin kein Freund von “Bucket Lists”, den Aufzählungen jener Dinge die man unbedingt getan haben sollte, bevor man diese Welt wieder verlässt. Würde ich dennoch eine aufstellen, stünde eine Ballonfahrt über der Tempelebene von Bagan ziemlich weit oben.

Tempel in der Ebene von Bagan

Ein englischer Bus aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg bringt mich weit vor Tagesanbruch rumpelnd zu dem Sportplatz, der als Flugfeld dient. Ein Februarmorgen ist übrigens auch in Myanmar ziemlich frisch. 

So ein Ballon ist eine ganze Menge Stoff! Zuerst sehe ich nur große, dunkle Flächen, die sich auf dem staubigen Fußballfeld ausbreiten. Motorbetriebene Gebläse werden in Gang gesetzt und die Schatten beginnen sich zu erheben, werden dreidimensional. Unter lautem Getöse der Motoren, nehmen sie langsam Form an.

Einmal aufgeblasen, geht es daran die Luft so weit aufzuheizen, dass sich der Ballon aufrichtet. Den Gasbrenner im Korb muss man sich wie eine gigantische Version des Bunsenbrenners aus dem Chemieunterricht vorstellen. Erinnerst du dich noch an das leise Zischen der Gasflamme? Nun, diese hier faucht bösartig laut und ist mehrere Meter lang.

Ein Traktor bugsiert den nun feurig rot leuchtenden Ballon an den Startplatz.

Dann ist es Zeit in den Korb zu klettern. Wir sind acht Leute und es ist ziemlich eng zwischen all den Gasflaschen, Schläuchen, Sandsäcken und allerlei Tauwerk. Auch dem Gasbrenner möchte ich nicht zu nahe kommen. Obwohl der Morgen immer noch kühl ist.

Leinen los. Mit einem langen Donnern der Gasflamme erhebt sich der Ballon vom Boden. Es ist nicht wie der Start eines Flugzeugs, denn es geht senkrecht nach oben. Doch nicht so ruppig wie in einem Hubschrauber, ganz sanft, eher wie ein Aufzug an der frischen Luft.

Ballonfahren ist die älteste Art zu fliegen

Sonnenaufgang in Bagan

1783 gelang es den Gebrüdern Montgolfier mit einem Heißluftballon die Schwerkraft erstmals für mehr als nur ein paar Sekunden zu überwinden. Das Grundprinzip ist das gleiche geblieben, auch wenn heute kein Feuer mehr geschürt werden muss. 

Das Gefährt wird wie ein Segelschiff vom Wind vorwärts getrieben. Völlig geräuschlos und frei von den Vibrationen und Erschütterungen anderer Luftfahrzeuge schweben wir ganz knapp über den Baumwipfeln dahin. Deshalb heißt es auch Ballon “fahren” und nicht “fliegen”.

Wann immer ein Hindernis vor uns auftaucht, öffnet der Ballonführer den Gashahn. Der Brenner entlässt für ein paar Sekunden einen Feuerstrahl ins Innere der Hülle und wir gewinnen überraschend schnell die entscheidenden paar Meter nach oben. Es ist die einzige Richtung, in welche ein Ausweichen möglich ist. Die Fahrtrichtung bestimmt der Wind. 

ebene von Bagan

Je nachdem, wie sich der Ballon gerade dreht, ändert sich meine Szenerie. Ich kann nämlich meinen Platz im dem engen Korb nicht verändern und einfach mal auf die andere Seite wechseln. Meine Aussicht, welche Bilder ich mache, bestimmt die Natur.

Entweder taucht die  aufgehende Sonne die Ebene für mich in warmes Orange, oder läßt sie im Gegenlicht geradezu unwirklich unscharf und dunstig erscheinen.

Eins mit der Natur

Ballons über den Tempeln von Bagan

Unsere Ballons sind die einzigen Aussichtspunkte, denn eine Ebene ist nun mal flach und von den Bergen aus sind die Tempel nicht mehr deutlich zu erkennen. Diese Fotos konnten nur aus der Luft gemacht werden.

Langsam steht Die Sonne höher am Himmel und der Wind kommt fast ganz zum Erliegen, wir bewegen uns kaum noch vorwärts. Unser Ballonführer beginnt nach einen Landeplatz zu suchen und dirigiert die Bodencrew per Mobiltelefon in unsere Nähe. Die Anforderungen zum Landen sind nicht sehr hoch: es darf halt nur kein Tempel im Weg stehen und auch keine allzu großen Bäume. In der Steppe nicht sehr schwierig.

Dann geht alles ganz schnell. Über Leinen werden Klappen in der Ballonhülle geöffnet, die warme Luft entweicht, wir sinken. Einige Feuerstöße mit dem Brenner bremsen, wir sinken weiter. So lange bis die Männer am Boden die Leinen zu fassen bekommen und den Korb seitlich wegziehen, damit wir nicht unter der rasch zusammenfallenden Stoffhülle begraben werden. Die Erde hat uns wieder, auch wenn ich seltsamerweise nie das Gefühl hatte zu fliegen.

Wenn es dich jemals nach Bagan verschlagen sollte, lass dir dieses Erlebnis nicht entgehen. Meiner Meinung nach ist es sogar eine Reise wert, zumindest jedoch die Reisedaten so abzustimmen, dass du zwischen Oktober und April dort bist. Nur in dieser Zeit fahren die Ballons von Balloons Over Bagan

Ganz nebenbei gesagt, ist der Spass nicht ganz billig. Die Preise liegen zwischen $350 und $450 pro Person für etwa 45 Minuten Ballonfahrt und ein Frühstück nach der Landung. Doch mein Leben ist zu kostbar, als dass ich mir Geiz leisten könnte.

Sonnenuntergang mit Tempel in Bagan

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2 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Torsten sagt:

    Hallo Benedikt, vielen Dank für diesen tollen Bericht mit tollen Fotos. Sollte es mich irgendwann nach Myanmar verschlagen, werde ich mir dieses Ergebnis ganz sicher nicht entgehen lassen.

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