Die Pleite war die beste Lektion!

Letzten Sontag habe ich davon erzählt, wie ich mit Vollgas in eine Pleite gefahren bin, und wie ich es geschafft habe, wieder aus dieser Situation heraus zu kommen. Heute denke ich darüber nach, welche Konsequenzen ich für mein weiteres Leben gezogen habe.

Nun sollte man meinen, eine Pleite sei lehrreich genug. Leider ist das nicht so. Viele, die einmal gescheitert sind, scheitern ein zweites Mal auf genau dieselbe Art. Sie bauen die gleiche Fassade wieder auf, nur noch größer und noch glänzender. Denn sie müssen ja nun auch noch die Scharte des vorangegangenen Scheiterns auswetzen. Donald Trump hat übrigens ganze sechs mal einen Laden an die Wand gefahren!

Andere wiederum wagen erst gar keinen zweiten Anlauf. Weil sie mutlos geworden sind und von Selbstzweifeln geplagt sind. Ohne Kapital und Kredit ist der Neubeginn schon schwer genug.

Ich habe vier Konsequenzen gezogen:

1. Sein geht vor Schein

Schuld an meiner Pleite trugen weder der Rechtsstreit noch das Finanzamt. Die haben mir nur endgültig das Genick gebrochen. Die tiefe Ursache war, dass ich etwas darstellen wollte, was ich nicht war. Die edlen Büromöbel, die Berater, die Werbung, all das war für kritische Zuschauer bestimmt, die keine Ahnung hatten und es erst recht nicht besser gekonnt hätten.

Denn sie waren nie das Risiko einer Selbständigkeit eingegangen. Sie hatten auf die Magie eines akademischen Studiums vertraut. Genau das aber hatte ich aufgegeben, also konnte es nicht gutgehen.

In unserem Dorf in der bayerischen Provinz sprach die Frau Baronin verächtlich von der „Milchfahrersfrau“. Die hatte tatsächlich damit angefangen, Milchkannen von den umliegenden Landwirten abzuholen. Doch inzwischen hatte sich aus diesen bescheidenen Anfängen ein internationales Speditionsunternehmen entwickelt. Aus den Kannen war eine Flotte von Tanklastzügen geworden. Sie transportierten – immer noch – Milch. Bei der Adelsfrau hingegen regnete es inzwischen munter durch das marode Dach ihres Schlosses. Selfmade galt, und gilt bis heute, in Deutschland noch als Makel.

Ich bin nicht als Schloßerbe geboren, mein Vater war Beamter. Es gab es weder Betrieb, noch Kanzlei zu übernehmen. Wenn ich etwas erreichen wollte, musste ich es mir selbst schaffen. Mein Entschluss war daher logisch und konsequent. Nur meine Selbstzweifel waren es nicht.

Die hatten sich jedoch mit dem Moment erledigt, in dem ich aus einer Pleite eine weltweit tätigen Firma geschaffen hatte. Das war nur eine schlichte Website, keine glänzende Fassade. Niemand konnte sehen, welche Umsätze darüber liefen – und ich hatte nicht das geringste Interesse davon zu erzählen.

2. Mach es so, dass du keinen Kredit brauchst!

Es ist schön wenn die Umsätze steigen. Wenn auch noch der Gewinn wächst, ist es noch schöner. Am schönsten ist es jedoch, wenn du jede Rechnung und jede Investition aus Cashflow bezahlen kannst!

Das klingt so selbstverständlich, dass man sich fast schämt, es aufzuschreiben. Trotzdem machen es die meisten falsch. Im Hamsterrad wachsen die Kosten mit dem Umsatz mit, oft sogar schneller. Jeder neue Auftrag rechtfertigt einen neuen Mitarbeiter, jeder neue Mitarbeiter ein größeres Büro, jedes größere Büro einen weiteren Kredit. Schließlich lässt sich das alles ja auch noch von der Steuer absetzen.

Und genau da liegt der Punkt: Wer seine Kosten im Griff hat und sukzessive Eigenkapital aufbaut, braucht keinen Dauerkredit. Bei mir war das anfangs keine Tugend, sondern blanke Not. Nach dem Offenbarungseid hätte mir keine Bank auch nur einen Kugelschreiber geliehen. Also musste ich alles so aufbauen, dass es ohne fremdes Geld funktionierte. Ein Laptop, ein Platz im Schatten, jede Menge Cashflow und eine Offshore Firma die erst gar keine Steuern zahlt.

Es ging. Und ich habe dabei ein Gefühl kennengelernt, das ich vorher nicht kannte: Das, was ich für meins halte, gehört auch wirklich mir. Nicht der Bank und dem Finanzamt. In meiner GmbH gehörte mir gar nichts. Ich hatte mir nur eine Menge Geld geliehen und auch noch persönlich dafür gebürgt.

Ohne Schulden schläft es sich nicht nur ruhiger. Du kannst auch ganz anders entscheiden anders. Wer auf Cash sitzt, darf auch mal „nein“ sagen. Ich habe einen großen Kunden abgelehnt, Hunderttausende von Umsatz pro Jahr, weil er auf 3 Monaten Zahlungsziel bestand. Das aber hätte meinen Cashflow extrem verlangsamt. Ich musste nicht wachsen, ich verdiente genug.

3. Stell dich international auf

In Deutschland war ich geschäftlich erledigt: kein Konto, keine Firma, keine Perspektive. Zwei Flugstunden entfernt, auf Mallorca, war ich wieder ein ganz normaler Unternehmer, dem alle Türen offenstanden. Dann kam die Firma in Denver, weil es in Europa keine Merchant Accounts gab. Dann die erste Offshore-Firma auf den Bahamas, später auf den Seychellen.

Auch das war eine der wertvollsten Lektionen meines Lebens. Wer nur in einem einzigen Land lebt, arbeitet und sein Geld hat, ist diesem Land auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Seinen Gesetzen, seinen Steuern, seinen Behörden, seinen Launen. Und diese Launen ändern sich, manchmal über Nacht. Was mir in Deutschland einen Prozeß eingebracht hat, war in Spanien und nahezu dem gesamten Rest der Welt völlig korrekt.

Wer mehrere Standbeine hat, hat immer noch andere Jurisdiktionen in Reserve. Das ist kein Plan B. Das sind Plan B, C und D. Ich bin seit 1999 unterwegs, ohne mich von einem einzelnen Staat abhängig zu machen. Das ist nicht immer bequem. Zur Zeit würde ich lieber in Spanien den Herbst genießen, statt in Mexico eine Fortsetzung des heißen Sommers zu durchleiden. Doch das ist der Preis der Steuer- Freiheit.

4. Besitze Dinge, die niemand wegnehmen kann

Ich habe erlebt, wie schnell alles weg sein kann. Schulden, Konto weg, Räumungsklage. Alles, was in einem Register steht, kann man dir nehmen. Alles, was eine Bank für dich verwahrt, gehört im Ernstfall der Bank und den restlichen Gäubigern.

Also habe ich angefangen, mir Vermögenswerte zu schaffen, auf die niemand zugreifen kann. Entweder, weil niemand weiß, dass ich sie kontrolliere. Oder weil ich sie selbst verwahre.

In der Anfangszeit waren das seltene Sammleruhren von Rolex und Patek Philippe. Die waren damals noch verhältnismäßig günstig zu bekommen, brauchten wenig Platz und niemand wußte davon. Dann hatte ich eines der ersten Online Broker Konten in den USA. Das war auch sehr diskret, niemand hätte davon wissen können. Die Aktien liefen auch gut.

Dann kam Bitcoin dazu. Warum ausgerechnet Bitcoin? Bitcoin ist die Summe aller vier Lehren, die ich gezogen habe.

Es ist diskret. Niemand kann wissen, was ich habe, und niemand sieht es mir an. Ich brauche weder Bank noch Broker. Bitcoin ist das erste Geld, das ohne Bank funktioniert. Niemand kann mir ein Konto kündigen, denn es gibt kein Konto.

Bitcoin kennt weder Grenzen, noch Jurisdiktionen. Er liegt auf Tausenden von Computern weltweit verteilt und ich kann in Playa del Carmen genauso darauf zugreifen wie in Paris oder Barcelona.

Und es ist das erste Vermögen der Menschheitsgeschichte, das Jeder vollständig selbst verwahren kann. Zur Not sogar im Kopf, mit zwölf oder vierundzwanzig Wörtern. Nur der Alzheimer kann’s dir wegnehmen.

Als ich vor 10 Jahren zum ersten Mal wirklich verstand, was Bitcoin ist, war es ein Aha-Erlebnis. Da war jemand auf die Idee gekommen, die ich schon gebraucht hatte. Zwanzig Jahre später und ungleich eleganter. Jemand, der ebenfalls wusste, dass man weder dem Staat noch den Banken trauen kann.

Ich wünsche niemandem eine Pleite. Doch ich verdanke ihr mein gesamtes heutiges Wissen über Geld, Vermögen und dessen Schutz. Ohne den Offenbarungseid wäre ich nie nach Mallorca gegangen. Ohne Mallorca kein Online-Shop, keine internationale Struktur, kein steuerfreies Leben als Nomade. Und vermutlich hätte ich Bitcoin 2016 für eine Spielerei von Nerds gehalten, wie die meisten anderen auch.

Ganz unten lernt man am schnellsten

Leise statt laut. Schlank statt aufgeblasen. Viele Länder statt einem. Selbst verwahren statt anvertrauen. Das ist kein Investmentplan. Das ist die Konsequenz aus den schlimmsten Jahren meines Lebens.

Und das Beste daran: Ich muss niemandem mehr etwas beweisen. Nicht einmal mehr mir selbst.

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