Ich hatte nie einen Plan. Keine Zettelwand, auf der stand, wo ich mit dreißig, vierzig oder sechzig sein wollte. Keine Karriereleiter, die ich Stufe für Stufe abgearbeitet hätte. Keine Vorstellung davon, welchen Titel ich tragen, oder welchen Beruf ich die nächsten 40 Jahre ausüben würde.
Das passte nicht zu mir – bis heute. Und dennoch habe ich mein Leben erstaunlich bewusst gestaltet. Nur eben anders.
Ich wusste zwar nicht genau, was ich wollte, doch ich wusste sehr früh ziemlich genau, was ich nicht wollte.
Im Nachhinein betrachtet erscheint mir das bedeutend wichtiger.
Ich konnte mir kein Leben vorstellen, das bereits mit zwanzig weitgehend feststeht. Ausbildung, Arbeitsplatz, Eigenheim, Kredit, jeden Morgen die gleiche Fahrt ins Büro und irgendwann eine Rente. Daran ist nichts falsch. Für viele Menschen ist genau das ein gutes Leben.
Für mich wäre es keines gewesen.
Ich wollte nie von einem Vorgesetzten abhängig sein, der darüber entscheidet, wann ich morgens irgendwo erscheinen muss, wann ich Urlaub nehmen darf und, schon gar nicht, wie viel meine Zeit wert ist. Ich wollte nicht jahrzehntelang an einem Ort bleiben, nur weil dort zufällig meine Wohnung, meine Firma oder meine Verpflichtungen lagen. Ich wollte nicht irgendwann zurückblicken und feststellen, dass ich nur deswegen so gelebt hatte, „weil man eben so lebt“.

Das wusste ich ziemlich früh. Ich habe schon einmal von jenem grauen Wintermorgen an einem Bahnhof in Bayern erzählt, an dem mir klar wurde, dass ich niemals auf einen Pendlerzug warten würde.
Und noch etwas wusste ich schon früh: Wenn ich etwas wirklich wollte, dann bekam ich es meistens auch.
Die Macht des Unterbewusstseins
Ich habe als junger Mensch Joseph Murphy gelesen, später Napoleon Hill und vieles von dem, was heute unter „Law of Attraction“ läuft. Diese Bücher werden gern als „Positives Denken“ belächelt. Häufig zu Recht, wenn daraus eine Art kosmischer Versandhandel gemacht wird: Wunsch aufschreiben, an die Wand hängen, fest genug daran glauben und auf die Lieferung warten. Ein Leben lang 😜
So funktioniert es natürlich nicht. Doch das heißt nicht, dass Murphy und Hill Unsinn erzählt haben.
Wenn ich mir nichts sehnlicher wünsche als einen Ferrari und bereit bin, mein Handeln konsequent darauf auszurichten, dann ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass ich irgendwann einen Ferrari fahren werde. Bei mir war es kein Ferrari. Es war ein Porsche 911. Zuerst mal.
Das Muster ist immer dasselbe, zuerst entsteht ein sehr klares Bild:
Ich gehe auf das Auto zu. Dann schließe ich die Türe auf und gleite auf den Fahrersitz. Der Zündschlüssel sitzt links, es riecht nach Gummi, Benzin und einem Hauch von Leder. Ich drehe den Schlüssel um und hinter mir erwacht der Motor zum Leben. Jeder leichte Stoß aufs Gaspedal wird mit einem Fauchen quittiert und der Boxermotor schüttelt das ganze Auto…
Doch bevor es so weit war, musste ich etwas ändern in meinem Leben. In 98% aller Fälle heisst das: mehr Geld! Materielle Wünsche sind immer mit Geld zu erfüllen. Doch am Ende sind sogar die Gesundheit und das freie Leben eine Geldfrage.
Ich brauchte also 30.000 D-Mark für einen ordentlichen, gebrauchten 911SC. Kein Vermögen, doch für einen Studenten in ziemlich weiter Ferne. Zwei Jahre bis zum ersten Staatsexamen. Dann weitere drei Jahre bis zum zweiten Staatsexamen und dann die erste Anstellung. Ich würde 4.000 D-Mark pro Monat verdienen, von denen ich aber auch noch leben müßte. Nein, so wird das nichts!
Die Frage war also weniger, was ich tun müsste, um einen Porsche zu fahren, sondern zuallererst mal, was ich nicht tun dürfte: Keine Examen machen, die eingeschlagene Juristenlaufbahn weiter verfolgen, keine Anstellung suchen.
Statt dessen: sofort Geld verdienen und zwar so, dass jede Mark, die ich verdiene auch in meiner eigenen Tasche bleibt. Also als selbstständiger Unternehmer und bitte möglichst netto 😉 Wir reden von 1986
Das war keine Magie und doch fühlt es sich im Rückblick manchmal so an.
Napoleon Hill nannte es „burning desire“, den brennenden Wunsch. Das trifft es ziemlich gut. Ein Wunsch, der nur nett wäre, verändert wenig. Ein Wunsch, bei dem man sagt: „Wäre schön, irgendwann einmal“, bleibt genau das.
Interessant wird es, wenn aus dem „ach, wie schön wäre das!“ ein „das will ich unbedingt und zwar möglichst sofort!“ wird.
Dann verändert sich das Verhalten und mit dem geänderten Verhalten kommt das Geld.
Wer unbedingt etwas will, beginnt zu rechnen. Was kostet es? Was muss ich verdienen? Worauf muss ich verzichten? Welche Möglichkeiten habe ich, mein Einkommen zu erhöhen? Und Irgendwann steht das Auto dann tatsächlich vor der Tür. Meistens schneller, als man dachte.
Von außen sieht es aus, als sei ein Wunsch Wirklichkeit geworden. Von innen war es eine lange Kette konsequenter Entscheidungen.
Das ist wohl genau das, was die Kritiker der „Law of Attraction“, übersehen. Meine Gedanken interessieren das Universum einen feuchten Kehricht. Ich kann bestellen, was ich will, von selbst kommt es nicht.
Sage mir, mit wem du umgehst…
Doch meine Gedanken verändern mein Sein und das veränderte Sein, verändert meine Wirklichkeit. Es ist eine Wellenlänge und Menschen, die auf gleicher Wellenlänge schwingen, ziehen einander an. Wer so denkt, gehört noch immer zu einer Minderheit. Zu einer Minderheit, die zuerst belächelt und später beneidet und angefeindet wird.
Wer mit seinem Job zufrieden ist und jeden Morgen zur Arbeit fährt, versteht mich nicht – und ich ihn nicht. Ich werde nie vergessen, wie mich mein damals bester Freund angefahren hat, als ich ihm sagte, dass ich mich für weniger als einen Tausender nicht in Bewegung setze. Er hielt das für furchtbar anmaßend, für mich war es logisch. Ich habe nur begrenzt Zeit und ich will sie nicht für Kleinigkeiten verplempern. Der Weg zum Wohlstand beginnt damit, Zeit und Geld voneinander zu entkoppeln.
Damit ändert sich, ganz automatisch, das persönliche Umfeld. Die alten Freunde blieben zurück und neue Freunde bringen neue Impulse und Ideen mit. „Sage mir, mit wem du umgehst und ich sage dir wer du bist“. Das ist auch so ein unbeliebter Spruch und doch ist er verdammt war. Das falsche Umfeld ist ein ewiger Klotz am Bein.
So entstand ein Lebensprinzip, an das ich mich jahrzehntelang gehalten habe. Einen Plan habe ich noch immer nicht.
Bei jeder größeren Entscheidung stand im Hintergrund dieselbe Frage: Macht mich das freier oder abhängiger? Vergrößert es meinen Handlungsspielraum oder verkleinert es ihn? Baue ich mir damit Möglichkeiten auf oder schaffe mir nur weitere Verpflichtungen?
Das war wahrscheinlich mein eigentlicher Lebensplan. Kein Plan im klassischen Sinne. Kein Ziel für jedes Lebensjahr. Eher ein Filter, für das was ich auf keinen Fall möchte.
Geld hat dabei immer eine große Rolle gespielt. Nicht, weil Geld für mich das höchste Gut wäre, sondern weil Geld gespeicherte Entscheidungsfreiheit ist.
Wer genügend Geld hat, kann Nein sagen. Nein zu einem Auftrag. Nein zu einem Chef. Nein zu einem Ort. Nein zu einer Situation, die er nicht mehr ertragen möchte. Nein ist eines der wichtigsten Worte, die ich kenne.
Im Grunde war der Porsche nur ein Symbol. Das Symbol dafür, dass ich in der Lage war mehr Geld zu beschaffen, als ich brauchte. Es war hilfreich, einen festen Betrag nennen zu können. Doch im Grunde ging es um Freiheit.
Die Freiheit, etwas nicht tun zu müssen.
Das erklärt auch, warum mich bestimmte Technologien oder Entwicklungen sofort fasziniert haben.
Das Mobiltelefon befreite mich vom festen Arbeitsplatz. Das Internet bedeutete für mich Freiheit von Ort und etablierten Vertriebswegen. Unternehmertum bedeutete Freiheit von Vorgesetzten. Bitcoin bedeutete irgendwann eine weitere Form von Unabhängigkeit: Eigentum, das sich ohne Bank bewegen lässt und dessen Regeln nicht jeden Morgen neu beschlossen werden können.
Das ist nicht für jeden Menschen wichtig. Doch für meinen Lebensentwurf war es das. Doch auch dieser Lebensentwurf verändert sich mit den Jahren.
Das Auto, das mir 1987 als Inbegriff von Erfolg und Freiheit erschien, erscheint mir heute als das genaue Gegenteil. Es ist der Bonus für ein fleißiges Leben. Dank Leasing erschwinglich für jeden, der die Raten irgendwie aufbringt und die entsprechende Bonität hat. Ich bin nicht kreditwürdig, denn ich habe mich geweigert dieses Spiel zu spielen. Dafür könnte ich, wie damals, einfach den Kaufpreis auf den Tisch legen, doch warum sollte ich so etwas Dummes tun?
Ohne Gesundheit ist alles nichts
Mit sechzig bedeutet Freiheit etwas anderes. Die Ziele werden unsichtbar. Früher konnte man sie fotografieren: mein Haus, mein Boot, mein Auto. Heute sind es Zustände. Zeit. Beweglichkeit. Ruhe. Den Winter in der Karibik verbringen, den Sommer am Mittelmeer. Morgens aufwachen und selbst entscheiden, wie der Tag aussehen soll.
Und über all dem steht heute etwas, das mit dreißig kaum eine Rolle spielte: Gesundheit. Mit dreißig verzeiht der Körper fast alles. Später wird die Rechnung präsentiert. Was nützt mir der Winter in der Karibik, wenn ich ihn körperlich nicht genießen kann? Man kann genug Geld haben und trotzdem unfrei sein, wenn der Körper nicht mehr mitspielt.
Das ist eine merkwürdige Verschiebung. Früher arbeitete ich, um mir Freiheit leisten zu können. Heute muss ich an mir selbst arbeiten, um sie noch nutzen zu können. Das ist zuweilen recht anstrengend.

Damit verschiebt sich auch die Rangfolge der Wünsche. Das Materielle verliert an Bedeutung, die Reise wird wichtiger. Später vielleicht die Fähigkeit, sie überhaupt noch machen zu können.
Falsch waren die alten Wünsche deshalb nicht. Ich wollte Statussymbole und es war sehr befriedigend, sie zu bekommen. Doch es wäre absurd, mit sechzig noch dasselbe zu wollen wie mit dreißig, nur um sich treu zu bleiben.
Status ist ein Ziel. Freiheit ist eine Richtung. Ziele sind Meilensteine, sie beweisen, dass meine Methode funktioniert. Doch danach immer kommt die Frage: Und jetzt? Ein Gegenstand beantwortet sie nicht. Ein Lebensentwurf schon eher.
Natürlich gibt es keine Garantie. Hier taucht Montaigne wieder auf: Que sais-je?
Ich kann nicht genau sagen, welcher Anteil meiner Lebensgeschichte aus Willen entstanden ist und wie viel aus Glück, Zufall oder gutem Timing. Wir erzählen unser Leben rückwärts, und dadurch bekommt es eine Logik, die es vorwärts nie hatte 😉
Dennoch wäre es falsch, alles dem Zufall zuzuschreiben. Glück öffnet eine Tür. Aber hindurchgehen musst du selbst. Du kannst nicht bestimmen, welche Karten du bekommst. Doch du kannst entscheiden, wie du sie ausspielst.
Ich kann wissen, was ich will, ohne zu behaupten, dass ich weiß, was passieren wird. Und ich kann auch irgendwann feststellen, dass mich das alte Ziel gar nicht mehr interessiert. Das ist keine Willensschwäche. Es ist der Unterschied zwischen Entschlossenheit und Starrsinn.
Was ich als junger Mensch bei Murphy und Hill gelernt habe, gilt für mich bis heute: Man muss sehr genau wissen, was man will. Doch noch genauer, was man nicht wollen sollte.
Das Universum liefert ohnehin nichts von selbst. Und manchmal merkt man unterwegs, dass man längst etwas anderes bestellen würde.
Wenn du herausfinden möchtest, was du auf keinen Fall mehr willst, lass uns darüber sprechen. Ein Gespräch mit mir ist oft ein guter Anfang.
Ich wollte auch immer einen Porsche fahren. Als Kind schon. Ich hatte immer jede Menge 911er-Modelle bei mir auf den Fensterbänken herumstehen und jede Menge Bücher, Hefte, Prospekte, Poster etc.
Irgendwann gegen Ende meines Studiums habe ich dann mal gerechnet, wie viel ich mit einer Festanstellung zurücklegen könnte und wie lange es dauern würde, bis ich mir meinen Wunsch-911er kaufen könnte. Heraus kamen:
72 JAHRE! 😳
Und dann ist der noch nicht versichert, hat noch keinen Sprit und keine Garage.
Im Februar 2000 habe ich mir dann abgeschminkt, jemals so ein Auto fahren zu können.
Daraufhin habe ich sämtliche Bücher, Hefte, Prospekte und Poster in einen Umzugskarton gesteckt und in den Keller gebracht.
Und im selben Jahr, am 9. September 2000, habe ich meinen ersten 911er gekauft. Ein gebrauchter, 5 Jahre alter, neuwertiger 993 mit 40.000 km auf dem Tacho. Nachtblaumetallic mit grauer Vollederausstattung.
Von „werde ich mir im Leben nicht leisten können“ zu „steht in meiner Garage“ in nur 7 Monaten.
Was war passiert?
Ich habe als Student für Beiersdorf in einem internationalen Projekt gearbeitet und bin vom Werkstudenten zum hochbezahlten Freelancer gewechselt. Von da an hab ich plötzlich so viel Geld verdient, dass der 911er im September plötzlich erreichbar war.
Das Universum hat mir eine Chance gegeben und ich habe sie genutzt, dabei frech gepokert und die Unterlassungsalternative als vollwertige Alternative genutzt. „Wir spielen nach meinen Regeln, oder ich gehe.“ hat mir meinen ersten Porsche 911 in 7 Monaten geliefert. 😄
Fazit: Benedikt hat recht. Das ganze Leben ist lediglich eine Reihe von Ergreifen oder Nicht-Ergreifen von Chancen.
Danke für deinen Bericht! Ja, so kann das gehen 7 Monate statt 70 Jahre, mit nur einer entscheidenden Stellschraube.
Lieber Benedict, alles, was du schreibst, spricht mir aus der Seele.
Irgendwie könnte ich meine Lebenswünsche genauso und in der gleichen Reihenfolge beschreiben.
Mit einem kleinen Unterschied. Eigentlich wusste auch ich schon immer, dass ich keinen Chef wollte, meine Tage und mein Leben selbst bestimmen wollte, frei sein wollte….was immer das auch für mich in der Vergangenheit hieß.
Aber ich war zu dumm, das durchzuziehen…Stattdessen Ausbildung, erstes Studium abgebrochen…zweites beendet ohne Plan. Tausend Jobs probiert, gewechselt, ins Ausland gegangen. 23 Jahre Süditalien.
Erst jetzt, ein paar Jahre vor der Rente alles hingeschmissen, neu orientiert, Copywriting, Launch-Management und vieles mehr. Krypto und Bitcoin entdeckt.
Einfach ist das nicht, aber ich liebe es. Frag mich allerdings jeden Tag, ob es nicht doch zu spät war und ob ich es noch packe, finanziell frei zu werden. Genau in dem Sinne und dem Alter, wie du es oben beschreibst.
Gerne würde ich mit dir darüber reden, auch wenn ich natürlich schon genau weiß, was ich nicht will.
Danke!
Ich glaube übrigens, dass es nie zu spät ist, nochmal zu starten. Wer heute 60 ist, hat eine gute Chance auf weitere 20-30 aktive Jahre.
Mit den heutigen Mitteln kannst du auch deine Produktivität enorm steigern. In einem Jahr lässt sich mehr schaffen, als je zuvor.
Also, nur Mut!