Ich bin meine eigene Bank

Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie viel Geld auf der Bank. 

Kein Tagesgeld. Kein Festgeld. Kein „3 % Zinsen, wenn Sie brav warten“. Nicht mal als Kind. Mein erstes Sparbuch bekam ich mit sieben. Drei Prozent! Die Erwachsenen sagten ehrfürchtig: „Das ist gut, da wächst dein Geld.“ Ich habe das Ding angeschaut wie einen kaputten Taschenrechner (die gab es damals noch nicht). Drei Prozent von 50 Mark? Das war der Gegenwert von 15 Kugeln Eis! Darauf sollte ich ein ganzes Jahr warten? 

In meinem Kopf war das schon damals kein Sparen, sondern einfach langweilig. So habe ich früh begriffen: Banken machen dich nicht reich. Sie verschaffen dir nur das trügerische Gefühl, dass du Vermögen schaffst.

Ich habe immer viel verdient. Und ich habe es immer ausgegeben. Ein gutes Leben kostet Geld, schöne Dinge kosten Geld. Geld, das rumliegt, wird weniger wert. Also musste es schnell weg. Früher war das keine Theorie, sondern Bauchgefühl. Heute würde ich sagen: Inflationsschutz durch Bewegung.

Werte kaufen, statt Geld parken

Während meine Freunde Bausparer und Lebensversicherungen ansparten, hatte ich begriffen, dass Vermögenswerte tauschen schlauer ist als Kleinbeträge zu stapeln. Erst waren es klassische Autos. Damals konnte man einen rostigen Jaguar oder Porsche noch für ein paar Tausender kaufen. Dann Aktien und später antike Uhren. 

Seit fast zehn Jahren ist es nun Bitcoin. Zu Beginn habe das nicht als Strategie gesehen. Es war Sorglosigkeit, gepaart mit einer Allergie gegen Anzugträger. Ich mochte den Gedanken nicht, mein Geld jemand anderem zu überlassen, damit er mir dann gnädigerweise ein paar Prozente zurückgibt. Das fühlte sich an, als würde ich mein Auto verleihen und mich über ein Gratis-Ticket für den Bus freuen. Nein danke. 

Ich fahre lieber selbst. Genau deshalb war der Schritt zur „eigenen Bank“ für mich gar keine Revolution. Es war nur die logische Konsequenz eines Lebens, das sowieso nie bankkompatibel war. Andere mussten sich erst mühsam von Sparkasse und Allianz entwöhnen. Ich habe nie auf sie gesetzt. Ich bin direkt von „Geld ausgeben“ zu „Vermögen speichern“ gesprungen. 

Ohne Zwischenstopp im Dschungel der Finanzbranche. Der gedankliche Grundsatz ist simpel: Geld auf einer Bank ist ein Versprechen. Vermögen in deiner Hand ist Realität. Ein Konto ist eine Zahl in fremder Software. Eine Uhr am Handgelenk ist eine Uhr. Ein Oldtimer in der Garage ist ein Oldtimer. Ein Krügerrand in der Schublade ist Gold und ein Bitcoin in der Wallet ist ein Bitcoin. Keine Gegenpartei. Kein Formular. Keine Fragen. Keine Meldungen ans Finanzamt. 

Bitcoin ist ein extrem portabler Wert

Mit Bitcoin hatte ich plötzlich etwas, das physisch nicht existiert, doch mathematisch unzerstörbar ist. Das war neu. Es ist vollkommen logisch, auch wenn es immer noch nur wenige verstehen. Bitcoin ist das erste „Eigentum“, über das du verfügen kannst, ohne jemand um Hilfe fragen zu müssen. Kein Notar. Keine Bank. Kein Staat. Nur ein Schlüssel. Und damit war klar: Wenn ich jemals so etwas wie meine „Zentralbank“ baue, dann ist das mein Goldstandard. 

Deshalb sieht mein System nicht aus wie ein passives Investment Portfolio, sondern wie eine kleine Volkswirtschaft. Ich habe Reserven, Liquidität und Cashflow und die werden bewegt und umgeschichtet. Genau wie eine echte Zentralbank. Lediglich ohne Anzug und Pressekonferenz. Die Reserve ist Bitcoin. Unantastbar. Das ist mein Gold. Wird nie ganz verkauft und wird nicht verliehen. Die Liquidität sind Stablecoins oder Euro. Reines Betriebsgeld. Miete, Essen, Reisen, ein neues Fahrrad, oder ein Flug. Das ist kein Vermögen. Das ist Treibstoff, der verbraucht wird.

Um den wieder aufzufüllen gibt es die Cashflow-Maschine. Früher waren das Dividenden und Kursgewinne, später Uhren Verkäufe, heute sind es und Bitcoin Käufe und Verkäufe. Andere nennen das Trading. Ich nenne es: meine private Notenpresse. 

Wenn Bitcoin fällt, verdiene ich am Short. Wenn Bitcoin steigt, wächst der monetäre Wert meiner Reserve und ich kann sie beleihen, um noch mehr zu kaufen. Wenn der Markt seitwärts läuft, kassiere ich Zinsen, oder mache gar nichts und bin etwas genervt. Wenn der Markt oben ist, verkaufe ich. Unten kaufe ich zurück.

Volatilität schafft Cashflow

Egal was passiert – das System produziert. Genau wie früher mit Uhren oder Autos. Ich habe nie gekauft, um zu „sammeln“. Ich habe gekauft, weil gute Dinge mit der Zeit wertvoller werden. Eine alte Rolex Daytona wird nicht plötzlich wertlos. Ein luftgekühlter Porsche 911, oder ein Mercedes SL auch nicht. Und aus 21 Millionen Bitcoin werden nicht plötzlich 42 Millionen. Knappheit ist die einzige ehrliche Versicherung. Bei Autos, bei Uhren, bei Gold und Bitcoin und bei Immobilien in Bestlage.

Der Unterschied zu früher ist nur: Heute ist alles effizienter. Früher brauchte ich Garagen, Bankschliessfach und viel Geduld. Heute reicht eine Wallet und ein paar Börsen-Accounts, auf dem Smartphone, Es ist im Grunde schon fast absurd. Mein ganzes liquides Vermögen nimmt so viel Platz ein, wie ein Uhrenetui. Und es sicherer als jedes Bankkonto. 

Das Lustige daran: Ich habe mein ganzes Leben lang intuitiv so gehandelt, ohne einen Begriff dafür zu prägen. Ich habe Reserven gehalten, reale Assets gekauft, Liquidität genutzt, Chancen ausgesessen. Ich war nie Kunde. Ich war immer Betreiber. Nur habe ich das erst spät verstanden. Die meisten Menschen fragen: „Wo ist dein Geld?“ Ich antworte: „Hab keins.“ Dann schauen sie mich an, als hätte ich gesagt, dass ich keine Zahnbürste besitze.

Es ist nämlich genau andersrum. Ich besitze Assets, die ich jederzeit zu Geld machen kann. Die anderen besitzen nur Forderungen gegen eine Bank.

Das gilt auch für Vermögensgegenstände die bei Brokern oder ETF verwahrt werden – sogar für Gold und Silber im Depot! Bei Sanktionen, strafrechtlichen Ermittlungen, regulatorischen Problemen oder politischen Notständen (!) können Guthaben jederzeit administrativ eingefroren werden. Du glaubst nicht, dass das passieren kann? Eine kleine Ungereimtheit beim Nachweis der Mittelherkunft und schon ist es passiert – so etwas passiert täglich! Und es dauert Monate, bis die Sache geklärt ist. Wenn du sie nicht erklären kannst, wird dein Vermögen beschlagnahmt. Die gesetzlichen Grundlagen dafür wurden peu à peu – nahezu unbemerkt geschaffen.

Heute, mit Bitcoin als Basis, fühlt sich alles ruhiger an. Kein Zinsstress. Kein „welche Bank zahlt 0,3 % mehr“.  Ich habe mein Leben lang keine drei Prozent gebraucht. Ich brauchte immer nur gute Entscheidungen. Gute Assets. Und Geduld. 

Der Rest ist Mathematik. Mein System ist nichts Heroisches. Kein Geniestreich, Keine Trading-Akrobatik. Kein Guru-Kram. Es ist einfach nur die Fortsetzung meines alten Prinzips: Geld bleibt nicht liegen. Geld wird zum Teil ausgegeben und der Rest in knappe Dinge getauscht. Die werden verkauft, wenn ihr Wert gestiegen ist. Früher waren das Uhren und Autos. Heute ist es Bitcoin. Morgen vielleicht auch wieder Gold, falls Bitcoin wirklich mal tot sein sollte. Dank Blockchain Technologie kann ich nämlich auch Gold halten wie Bitcoin. Die “Tokenisierung von Assets” hat bereits begonnen.

Es geht um Kontrolle

Wenn mir heute jemand ein Tagesgeldkonto mit 4 % anbietet, muss ich lachen. Dafür gebe ich nicht die Kontrolle ab. Ich habe lieber null Prozent – und die Schlüssel in der Hand. Am Ende ist meine eigene „Bank“ nichts weiter als erwachsener Trotz. Ich vertraue keinem System, das ich nicht selbst kontrolliere. Also habe ich mir mein eigenes gebaut. Klein, leise, ohne Schalterhalle und Marmor.

Und ehrlich gesagt: Es funktioniert besser als alles, was mir je eine Bank angeboten hat. Wenn mich heute jemand fragt, wo meine Bank ist, sage ich: „Die Bank bin ich!.“ Und das ist kein Marketing. Es ist nur die logische Konsequenz eines Lebens ohne Sparbuch.

Ich nenne es „Patrimonium digitale“. Latein, weil auch die Römer keine Verwahrstellen kannten. Im römischen Recht gab es nur die „possessio“, was die tatsächliche Gewalt bedeutet, die wir heute Besitz nennen. Daneben gab es das „dominio“, was die rechtliche Herrschaft über die Güter bezeichnet. Eigentum. Beides fiel jedoch meist zusammen – was ich in der Hand halte, gehört mir – und wenn ich es mit dem Schwert verteidigen muss.

Damit ist mein Patrimonium alles andere als eine futuristische Idee – es ist eine Rückkehr zur ältesten Eigentumsform Europas.